Literarische Essays Schreiben In German

Ein beständiges Experimentieren: Der Essay

 

Essay zählt nicht zu den tradierten Textmustern schulischer Schreiberziehung

Gründe für die Beschäftigung mit dem Aufsatzformat:

  • Große Beliebtheit in Zeitungen, Fachzeitschriften oder als Langform in Monografien
  • Sachtextsorte mit literarischen und wissenschaftlichen Ambitionen
  • Auch als Prüfungsformat für Universitäten
  • Experiment:
  • Lehrer
    • neu, aber Berufl. Gymnasium: bereits seit einiger Zeit erfolgreich praktiziert
  • Für Schüler.
    • Ideen erproben, Neues, Ungewöhnliches durchdenken
    • Mit Sprache spielen, kreativ sein
    • Gegensatz zum Interpretationsaufsatz mit seinem an der Germanistischen Fachwissenschaft orientierten Fachvokabular u. formal  hohem Sprachstil
  • Gedankenspaziergang

Verfassen eines Essays auf der Grundlage vorgelegter Materialien

Bearbeiten Sie [unter Berücksichtigung der vorgelegten Materialien] folgende Aufgabe:

„Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich.“

(Christa Wolf)

Schreiben Sie unter diesem Titel einen Essay zur Bedeutung des Lesens.

Textdossier kann als Steinbruch für die Auseinandersetzung benutzt werden, kann aber auch ignoriert werden.

Berufl. Gymnasien: Textdossier muss ausgewertet werden und in einer Zusammenfassung schriftlich dargelegt werden. (abstract)

Thema wird vorgegeben

  • Thema provoziert 
  • Ich“ – Subjektiver Bezug: Absicht
  • Entscheidung: dafür oder dagegen?

Kompetenzaufbau: Was kann ein Schüler, der einen Essay schreiben kann?

  • 3 wichtige Kompetenzen, die gefordert werden
  • Zur gründlichen Erarbeitung dieser unterschiedlichen Kompetenzen ist ein Buch nötig. (gegen die Kopierflut)
  • Kompetenzen, die in der Kursstufe angebahnt und vertieft werden. 
  1. Unterschiedliche Textarten erschließen und verstehen:
    • Thema, Funktion , Darstellungsweise, Adressaten, Medienart, - S. 88ff
    • Inhalt der Texte dient der Findung eigener Ideen
  2. Schreibkompetenz: Argumentierendes Schreiben
  3. Schreibkompetenz: Literatisches Schreiben – auch Stil

Nicht gleich mit dem Essay beginnen!

Verwandte Formen (z.B. Erörterung) vorher erarbeiten

Aber auf jeden Fall gründlich: Unterschiedliche Textarten erschließen, verstehen: in ihrer Aussage, ihrer Struktur, ihrer Intention (Lesekompetenz)

  Schreibformen

 

Der Essay: Herunterladen [ppt] [169 KB]

 

Hinweise für das Schreiben von philosophischen Essays 

Die fünf Bewertungskriterien der Internationalen Philosophie-Olympiade

 Konzentration (Fokussierung) auf das Thema: Hauptaussage des Zitats beachten, alle Teilaussagen aus dem Zitat einbringen,  die Zentralbegriffe benennen, Erkennen des im Zitat angesprochenen Problembereichs

Kohärenz (innere Stimmigkeit) der Arbeit: Aufbaukonzept deutlich machen, durchgängige Untersuchungsabsicht benennen (was will ich in meinem Essay zeigen?),  Überschriften  und Gliederungen/Absätze  setzen, die die Schritte des Argumentationsganges deutlich machen

Argumentative Überzeugungskraft: Eigene Position beziehen und diese mit Argumenten belegen, nie nur Behauptungen setzen,  Prämissen/Ausgangspunkte und Folgerungen differenzieren, methodische Vorgangsweise deutlich machen

Philosophisches Verständnis des Themas (nicht unbedingt fachwissenschaftliche Breite): Einbetten des Zitats in einen epochalen Kontext, Erkennen des eigenen Argumentations- oder Theorie-Typs (z. B. idealistische vs. materialistische Ansicht), Bezug zu typischen Argumenten von bekannten Philosophen, angemessener Umgang mit Begriffen mit entsprechender Defintion, Vertiefung und Hinterfragung  der angesprochenen Aspekte, Verwenden von philosophischen Methoden, Reflexionsgrad

Originalität: Anspruchsvolle Stilformen anwenden (Briefe, Dialoge, Gedankenexperimente), originelle Positionen vertreten, geistreich schreiben, gewählte und ansprechende Sprache verwenden.

 Wie schreibe ich einen guten Essay?

Konzipieren, Komponieren, Korrigieren

  • I. Konzipieren: Einleitung, Hauptteil, Konklusion

    • 1. Einleitung

      • Was ist die Zentralthese des gewählten Zitats?

        • Prägnante ev. provokante/unalltägliche These des Autors  erkennen

        • Was ist im Zitat insgesamt ausgesagt? -> Auflisten der zentr. Titelelemente

        • Kurzbezug auf Autor und Epoche:  Wer?

      • Was ist die Frage, die ich beantworten will?

        • Bin ich mit der Zentralthese des Zitats einverstanden oder nicht/teilweise?

        • Was will ich zeigen? Wie werde ich dabei vorgehen?

        • Weshalb ist diese Frage wichtig - für mich? - insgesamt? Welche wichtige Botschaft kann ich bei der Beschäftigung mit diesem Zitat vermitteln?

      • Ev. Titel für den Essay finden!

    • 2. Hauptteil

      • Was sind meine Argumente für das, was ich zeigen will?

      • A) Zerlegen der zentralen These/Frage in Teilfragen  und -Aspekte

      • B) Einbringen von Prämissen

        • Welche Prämissen für meine Argumentation führe ich ein? Was in meinem Argument ist wahr? Wie kann ich das beweisen? Was kann man gegen das Argument einwenden? Weshalb sind die Einwände nicht stichhaltig?

      • C)Verschiedene methodische Vorgangsweisen klarlegen:  Z.B.

        • Klären von Grundbegriffen aus dem Zitat: = Methode der Begriffsanalyse

        • Historische Einordnung des Autors: früher hat man so wie der Autor gedacht, heute sieht man es anders: =  historisch-hermeneutische Methode

        • Darlegen von persönlichen Erfahrungen = phänomenologische Methode

        • Konstruieren der gegenteiligen Position und Widerlegung: = dialektische Methode

        • Entwicklung von Denkmöglichkeiten und Gedankenexperimenten = konstruktivistische Methode

      • D) Einbau der eigenen Argumentation in einen weiteren Problemkontext

        • - Den systematischen Bereich bzw. das Problemfeld skizzieren, in den das behandelte Zitat/Problem hineingehört

        • – Bezugnahme auf bekannte  Philosophen und Ismen in Vergleich und Abgrenzung

    • 3. Schluss

      • Was habe ich gezeigt?

      • Rückbezug auf Zitat oder Eingangsthese

      • Ev. Umformulierung des Ausgangszitats

      • Was ist (noch) nicht gezeigt?

      • Konsequenz/Lehre aus den eigenen Ausführungen in Form einer Schluss-These

  • II. Komponieren: Klar und überzeugend!

    • 1. Klar!

      • Gliedern – jeder Gedankenschritt sollte in einem Absatz dargestellt werden.

      • Begriffe, die unklar sind oder deren Verständnis nicht vorausgesetzt werden kann, vermeiden oder sofort erläutern! („Jemand handelt freiwillig, wenn...“)

      • Mit Beispielen arbeiten! („Ein Beispiel für eine freie Handlung ist...“)

      • Sprachlich anregend und reich formulieren, aber Metaphern und Substantivierungen nicht überstrapazieren! (Z.B.: „Die Freiheit blüht auf.“)

      • Anführungszeichen nur brauchen, um über ein Wort zu reden oder um zu zitieren!

      • Nur dann zitieren, wenn es unumgänglich und das Zitat genau bekannt ist!

    • 2. Überzeugend!

      • Alle Thesen mit guten Argumenten begründen! („Der Mensch ist frei, weil...“)

      • Die Argumentation strukturiert, zusammenhängend und widerspruchsfrei gestalten, Prämissen und Konklusion differenzieren!

      • Autoritätsargumente nicht überstrapazieren (Nicht: „Wie Aristoteles bereits sagte...“), aber reichlich Bezüge herstellen - soweit bekannt!

      • Glaubwürdigkeitsappelle vermeiden! (Nicht: „Es ist klar, dass...“, „Jeder wird zugeben, dass...“)

    • 3. Philosophisch, d.h. hinterfragend, grundsätzlich, fächerübergreifend, grenzensprengend

    • 4. Stilistisch originell!

  • III. Korrigieren

    • Den geschriebenen Essay lesen und auf die einleitende Untersuchungsabsicht hin überprüfen: Habe ich das rübergebracht, was ich mit dem Essay sagen wollte?

    • Wenn nötig korrigieren und verbessern!!!

    • Während des Formulierens soll man den Schreibfluss nicht unterbrechen. Im abschließenden Kontroll-Lesen gibt man dem Essay die gewünschte Form: Absätze und Überschriften setzen, Proportionen der einzelnen Absätze beachten, einzelne Argumente zuspitzen und verbessern, nachträglich Beispiele für Thesen einfügen, Bezüge zu bekannten Philosophie einbauen. Und auch auf die sprachliche Qualität  achten (Rechtschreibung, Grammatik, Syntax/Satzbau, Wortwahl und –Differenzierung) – die Deutsch-Professoren lassen grüßen!!!

Hinweise für das Schreiben von philosophischen Essays (s. Engels)

  • Was ist ein philosophischer im Unterschied zu einem literarischen Essay?

    • Man kann die Textsorte, um die es hier geht, als „Essay" bezeichnen, da es keineswegs darauf ankommt, lediglich sichere Erkenntnisse wiederzugeben oder hieb- und stichfeste Antworten auf die sich stellenden Fragen zu geben: s. it. Saggio/assaggiare: Kostprobe des eigenen Denkens geben.

    • Ein Essay ist eine subjektive Schreibform, die auffordert,  persönliche Standpunkte vorzugeben, Vermutungen anzustellen und Gedankenexperimente durzuführen. Formulierungen wie „vielleicht", „möglicherweise", „möglich wäre" und „man könnte einwenden/daraufhinweisen/sich vorstellen" können durchaus benutzt werden. Im Extremfall könnte ein Essay nur aus Fragen bestehen (sinnvolle Fragen zu stellen, ist oft schwerer, als vorgegebene Fragen zu beantworten).

    • Die Ergebnisse des eigenen  Nachdenkens können auch in Form einer Kurzgeschichte, einer Fabel, einer Parabel, eines Briefes an den Autor, eines Lese-Tagebuches als Festhalten von aufgestoßenen Gedanken während der Lektüre,  eines Gedankenexperiments oder als „Philosophy-Fiction" dargestellt werden.

    • Bei philosophischen Essays ist es (im Unterschied zu den literarischen) auch möglich, Untertitel zu geben, alle Gedankenschritte genau zu strukturieren bzw. zu nummerieren (Wittgenstein z. B. hat in seinem Tractatus logico-philosophicus jeden einzelnen Satz durchnummeriert: 1  1.1  1.11  usw. )

    • Es ist auch der Einbau von Skizzen, Modellen usw. möglich. Wichtig ist v.a. auch, dem Essay einen aussagekräftigen Titel zu geben.

  • Wie kann man  philosophisch schreiben?

    • Das, was Ihr schreibt, sollte philosophische Züge haben. Das heißt: Ihr sollt einen eigenen Standpunkt vortragen, dabei aber auch argumentieren. Ihr sollt Euch nicht in Konkretes verlieren, sondern Euch auf der Ebene des Grundsätzlichen bewegen. (Konkretisierende Beispiele für Allgemeines sind allerdings erwünscht.)
    • Falls Ihr nicht wissen solltet, ob Eure Gedanken philosophisch genug sind, muss Euch das nicht allzu sehr bekümmern. - Oft wird es sinnvoll sein, Begriffe zu bestimmen. Hier gibt es nicht nur die Möglichkeit der Definition; oft genügt es, charakteristische Merkmale des Begriffs zu nennen, die für das Thema wichtig sind. Weiters wird man auf die Gegenposition zum Zitat verweisen und die beiden Positionen gegeneinander abwägen.
  • Insgesamt kann man 5 Kriterien für philosophisches Schreiben benennen:
    • Erstens: Bezug auf den gesamten Lebenszusammenhang
      • Das ausgewählte Zitat sollte daraufhin befragt werden, ob daraus für den Menschen im Allgemeinen etwas Gutes oder Schlechtes resultiert. Man könnte dies auch anders formulieren: Welchen Sinn und welchen Wert hat das in den Blick Genommene im Lebenszusammenhang? Ausgang des Nachdenkens kann etwas recht Konkretes sein; das Nachdenken muss aber über das Konkrete hinausgehen und einen allgemeinen Maßstab anwenden, beispielsweise allgemeine Wert- und Sinnvorstellungen.
      • o        Hierzu gehören auch ethische, rechtliche und politische Überlegungen. Der weiteste Horizont, in den Beschriebenes gestellt werden könnte, wäre die Frage nach dem gutem, dem erfüllten, dem wirklich menschlichen Leben.
    • Zweitens: Fächerübergreifende Fülle von Gesichtspunkten
      • Philosophisch wird ein Essay durch die Fülle von Gesichtspunkten, die an die darzustellende Sache herangetragen werden. Typisch für die Philosophie ist doch das Sprengen enger Grenzen, seien sie durch die philosophischen Disziplinen oder durch die Einzelwissenschaften gezogen.
      • Im Blick bleibt hierbei aber immer die Bedeutung des Dargestellten für den Menschen im Allgemeinen.
    • Drittens: Ausgang von philosophischen Positionen
      • Ein Essay ist dann genuin philosophisch, wenn ich bei meinen Überlegungen von einer schon gegebenen philosophischen Position ausgehe und versuche, ein konkretes Problem zu lösen oder ein Phänomen in den Griff zu bekommen.
      • So kann ich mich auf den Standpunkt der kantischen Ethik stellen und von ihr aus Probleme angehen, die sich erst in unserer Zeit offenbar werden, man denke an die Gentherapie, die in die Keimbahn eingreift., an das Klonen von Menschen oder an embryonale Ersatzteillager.
      • Essays bieten sich hier an, da sich von Kant oder anderen Philosophen her nur Versuche zu einer Problemlösung anbieten, ein Hin- und Herwenden von Gedanken, ein Einbringen von Vorschlägen und Bedenken, jedenfalls kaum eine eindeutige Lösung.
      • Auch der Utilitarismus kommt in vielen Fällen nicht zu eindeutigen Ergebnissen, wenn es sich um Fragen handelt, die sich erst aufgrund neuer technischer Möglichkeiten stellen. Hier sind nur Versuche, eben Essays möglich.
    • Viertens: Ausgang von philosophischen Zitaten
      • Das Zitat lässt gewöhnlich erkennen, welcher philosophischen Disziplin es entstammt und welche philosophischen Disziplinen für die Erörterung relevant sind.
      • Allerdings muss sich der Schreibende auf den Inhalt - auf Aussage, Frage oder Problem -einlassen und darf sich nicht nur biographischen, geschichtlichen, philosophiegeschichtlichen, literaturwissenschaftlichen oder ästhetischen Aspekten zuwenden.
      • Die Frage nach Wahrheit und Gültigkeit des zu Erörternden und der Beurteilung ist unerlässlich.
      • Das Zitat soll nicht nur interpretiert und variiert/paraphrasiert werden, sondern es dient als Vorlage zur Konstruktion einer eigenen persönlichen Denk-Position, deshalb soll daran Kritik, Ergänzung, Korrektur, Weiterdenken, Umformulierung usw. geübt werden.
    • Fünftens und letztens: Benutzung genuin philosophischer Methoden
      • etwa der phänomenologischen,

      • der sprachanalytischen,

      • der hermeneutischen Methode oder

      • der  Methode der kritischen Theorie.

         

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